Berry – nehmen wir uns Zeit zum Anschauen

Zwei Tage hat Pascal Zwangspause im Berry einlegen müssen – in einer Gegend, die in Deutschland vermutlich nur den eingefleischten Frankophilen ein Begriff ist. Die großen Durchgangsstraßen führen daran vorbei und auf dem Weg zum Mittelmeer oder Atlantik lassen die meisten das Berry im wahrsten Sinne des Wortes links liegen.

Meine ersten Assoziationen die bei dem Namen Berry sind vom Sommer geprägt:

Von der Sonne verbrannte Felder, weiße Kühe und – weiter westlich Schafe.

Und für mich als Drehleierspieler natürlich Musik: Berry, die Provinz der Drehleier (französisch „Vielle à roue“ ). Dieses Musikinstrument, dass schon gespielt wurde als im Mittelalter die Pilgerströme nach Santiago durch das Berry zogen, hat hier, aber auch im Bourbonnais und in der Auvergne, eine ungebrochene Tradition. Daneben der Dudelsack (nicht diese Schottische Kriegswaffe, sondern der wohlklingende Bourbonnais). Diese Instrumente haben bis heute zentrale Bedeutung als Hauptinstrumente der ländlichen Bevölkerung.

Und natürlich ist das Berry auch die Heimat von George Sand. Pascal hat die wunderschöne Marmorbüste für die Bildergalerie fotografiert. Die Schriftstellerin, die ihren Wohnsitz in Nohant hatte, wurde wegen ihrer Wohltätigkeit von der Landbevölkerung geliebt. „La bonne dame de Nohant“ nannte man sie. In ihrem 1853 erschienenen Roman „Les Maîtres Sonneurs“ beschrieb sie das Dorfleben ihrer Umgebung ebenso wie die alten Volksbräuche und –sagen, die sie intensiv erforschte.

Maîtres Sonneurs meint einen Dudelsackspieler, der im Wettbewerb der Musikanten der beste werden will und dafür einen Pakt mit dem Teufel eingeht.

Seit 1976 veranstaltet das committee George Sand in St.Chartier bei Nohant in Musikfestival (11.7-14.7.08). Auch dort gibt es einen Wettbewerb der Drehleier und Dudelsackspieler. Die Sieger erhalten den Titel „ Maîtres Sonneurs“.

Wer ins Berry reist sollte aber nicht allein das Haus von George Sand besuchen. Die wuchtigen 4-fach-Türme des Chateaus von Sarzay haben wohl den Architekten der Münchner BMW-Zenrale inspiriert. In der Kirche von La Berthenoux feiern jedes Jahr die Schäfer ihr Weihnachtsfest. Und man sollte sich die Zeit nehmen, die alte offene Markthalle in Lignières zu besichtigen. Vielleicht ist unter den alten Eichenbalken noch die Crèperie in der man bei Crèpes und Cidre verweilen kann. Und mit Glück sitzt am Abend sogar ein Musiker aus der Gegend da und spielt auf seiner Drehleier.

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