Der Kerkeling Effekt

Eine Einladung flatterte unerwartet ins Haus, eine Überraschung für mich und eine Ehre dazu.

Sicher, Pascal hatte nach einem meiner Kommentare hier in seinem Blog mir in einer Email den Vorschlag gemacht, doch mal was zu schreiben. Schreiben tu ich eh jeden Tag, so dass ich den Aufruf erst gar nicht verstand. ER meinte nicht mein Blog, er meinte SEINS.

Lieber Pascal!

Vielen Dank für Dein Vertrauen, gerne komme ich deiner Aufforderung nach.

Nun eine Einladung in einem fremden Blog etwas zu schreiben bedeutet im Sinne des Hausherren zu agieren und sein Thema mit eigenen Ideen zu bereichern. Warum also ICH? Ich lese hier doch nur!

Pascal macht mich wiedermal neugierig auf den WEG. Den Weg den viele zu gehen versuchen und schon viele gegangen sind. Den Pfad nach Santiago de Compostela!

Ich gestehe ich bin erst neugierig geworden auf diesen Pilgerpfad nachdem Hape Kerkeling sein Buch „Ich bin dann mal weg“ heraus gegeben hat und dieses schnell zum Bestseller wurde. Sein Buch verhalf dem Pilgerpfad zu einer Renaissance und somit zu einem Rekord bei den Pilgerzahlen auf dem berühmten Jakobsweg zum spanischen Santiago de Compostela . Laut der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft erhielten 2007 mehr als 13.800 Deutsche eine Pilgerurkunde in dem spanischen Wallfahrtsort. Das bedeutet eine Steigerung von mehr als 5.700 oder 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Kerkeling erzählt auf seine erfrischende Art und Weise wie er sich auf den Weg macht. Bepackt mit einem 11 Kilo Rucksack und keinerlei Training. Die bekennende Couch Potatos macht sich auf die Wanderung die durchaus Strapazen hervor bringen wird. Hapes Reise beginnt in St.-Jean-Pied-de-Port und führt ihn durch die rauhen, leeren Landschaften Nordspaniens. In seinem Buch erzählt er nun herzerfrischend und ganz in seinem Stil seine Erlebnisse. In kurzen Tagebucheinträgen macht er uns begreiflich wie viel dieser Weg ihm, dem Pilger, abverlangt. Er beschreibt die Dinge wie sie sind, Menschen denen er begegnet, Dinge die er mit anderen Pilgern oder mit sich selbst erlebt. Kerkeling ist sehr offen und ehrlich, zeigt viele private Seiten und verschließt sich doch so manches Mal dem Leser. Dann wenn es zu sehr an sein Inneres geht. Dem Leser/Hörer ist es eine Freude seinem unverkennlichen Humor zu lauschen und die sogenannten „Erkenntnisse des Tages“ bringen Kerkelings Gedanken schlussendlich auf dem Punkt. Das Gute daran: Das Buch will gar kein spiritueller Ratgeber sein. Kein missionarischer Eifer, keine arrogante Besserwisserei, keine nervige Erleuchtungseskapaden! Und doch geht es viel um Gott, Religion und Wiedergeburt. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und es bei den alltäglichen Arbeiten genossen, es war mir ein lustiger Begleiter der mich zum Nachdenken anspornte und mich Gedanken denken lies die ich zuvor nicht kannte. So war ich infiziert mit dem Virus „Jakobsweg“.

Das Buch von Paulo Coelho „Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostla“ las ich im Anschluss. Ein ganz anderer Bericht. Bereits 15 Jahre vor Hape begab sich Paulo Coelho auf diese Reise. Als Mitglied einer katholischen Bruderschaft blieb ihm aus mangelnder Demut die Meisterweihe verwehrt. Der einzige Ausweg aus dieser „Krise“ war für Coelho eine Walfahrt. Er wollte auf diesem „Weg der Erkenntnis sich selber kennenlernen“. Das Buch handelt von Hindernissen und Problemen die Jeder in seinem Leben überwinden muss um sein Glück zu finden. Coelho beschreitet den Weg mit seinem Meister „Petrus“, der ihm auf seiner Wanderung immer wieder verschiedene Aufgaben stellt. Die Erfahrungen die er dabei macht sind sehr mystisch, Paulo erkennt Dinge in sich die zuvor tief verborgen lagen. Der Weg ist das Ziel und Paulo Coelho verdeutlicht auf beeindruckende Art uns in seinem Buch, dass jeder Weg ein Stück zum eigenen Selbst sein kann.

Als Naturliebhaber wandere ich gerne und als bekennender Christ, sind für mich diese Bücher nun zu einer Aufforderung geworden. Ganz leise , tief im Inneren meines Selbst will ich mich entdecken. Vielleicht geht so etwas in unserer hektischen Zeit nur noch auf den alten Wegen.

Auf dem Pfad zum Grab des heiligen Jakob.

 

6 Antworten

  1. Danke Bonafilia für deinen tollen Beitrag !
    Auch ich habe das Buch von Hape K. sehr genossen. Mir hat vor allem gefallen, dass er in 2001 kein grosses Theater daraus gemacht hat : Schuhen und Rucksack an… und weg ! Eine Lehre soll es auch nicht für den Leser sein: jeder soll seinen Weg finden…
    Pascal (am halben Weg zu Ruhe im Baskenland)

  2. […] alles 500 Meter, mit jeweils 80 Betten, mehr als die Hälfte davon von Deutschen Pilgern belegt (s. Artikel im Blog von Bonafilia über den “Kerkeling-Effekt“) […]

  3. […] Veröffentlicht in September 5, 2008 von lejacquet Der Kerkeling Effect […]

  4. Zwischen Paulo und Hape macht sich Paul auf den
    Weg und schreibt 1 1/2 Jahr danach das Buch
    „Jesuslatschen- Größe 42“. Liebevoll, erfrischend leicht und ehrlich.

  5. chice Seite!!! Herzliche Grüße

  6. … toller Artikel, spricht mir aus der Seele und war exakt der gleiche Grund, warum ich überhaupt auf den Camino gestoßen bin!
    Ich bin gerne und überzeugt ein „Hapegrino“ 🙂

    Schöne Grüße
    Sebastian

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