Camino und Jakobsweg : 2 Paar Schuhen ?

  1. Viele Spanier scheinen mir, vom Camino einen ganz andere Konzeption zu haben, als Die Franzosen und die Deutschen.

In in der „Nord-Europaischen Auffassung“ stellt der Jakobsweg einen langen Selbstfindungs– oder Gottfindungsprozess dar. Der Pilger entscheidet sich für den Jakobsweg, um irgendwas in seinem Leben oder seinem Gewissen in Ordnung zu bringen. Der Jakobseg ist lang und mit ettlichen Leiden verbunden. Meistens ist der Pilger allein mit sich selbst, sowohl beim täglichen Lauf-Pensum, als auch abends in der Pilgerherberge. Er schreibt alles, was er tut und denkt in seiner kleinen Heftchen, das er ständig in der Tasche trägt. Ein philosophisches oder religiosisches Buch zu tragen -um täglich reinlesen zu können- gehört auch zur Grund-Austattung des Pilgers… So wird „richtig“ gepilgert !

ein Beispiel über das „richtige“ Pilgern : Marschblog meines Freundes Andreas (soviel leidet Andreas in der Wirklichkeit nicht…)

So bin ich auch gepilgert : so waren meine Gründe, so war auch mein Weg : von Vézélay aus, wo die „spirituell orientierte“ Pilger starten. Durch tiefen Frankreich, die kleine Dörfe und Landstrasse… Ein einsamer Weg : In meinen 40 Tage-Pilgerung auf den Vézélay-Weg habe ich vielleicht insgesamt nur 20 anderen Pilger getroffen, fast alle mehr als 60 jahre alt. Die meisten und tiefsten Kontakte auf dem Weg sind mit den Gastgebern gewesen : in der Regel „guten Leuten„, die dem Pilger auf seinem „Leidenweg“ helfen, und ihm Kraft geben wollen, bis zum festgesetzten Ziel und seine Erleuchtung weiterzupilgern.

Ultreïa! der Ruf des Pilgers wird nicht nur unter Pilgern genützt, sondern auch von allen diesen helfenden gutdenkenden Menschen. Diese helfen wirklich dem Pilgern für eine Minute oder eine Nacht , und stellen ihn danach mit einem kräftigenden Ultreïa auf den weiterführenden Weg . Es gibt ein eisernes Regel beim Pilgern : jeder Tag wird weitergelaufenj, immer weiter ! Nie verbringt man 2 Nächte am selben Ort (oder nur in Krankheits-Fállen). Der Pilger bedankt sich bei seinem Gönner und verspricht (eventuell) fur ihn am Grab des Apostels zu beten.

So bin ich auch gepilgert : 40 Tagen durch Frankreich und noch 6 Tage durch die Baskischen Bergen (da war mir der Weg erstmal wirklich schwer, dort habe ich wirklich gelitten) und dann irgendwann im flachen Cambrien (ich bin den Küstenweg –Camino del Norte– gelaufen), ist mir eingefallen, dass viele meiner spanischen Mitpilger, den Camino anders zu betrachten schienen…

Der Camino der Norte durchquert ja die schönsten Urlaubsgebiete Nordspanien – Cambrien, Asturien, Galizien… Wie oft bin ich ein Stück des Caminos barfuss am Strand gelaufen ! Da denken die Leuten mehr am Erholung als an Anstrengung! Kein Stress : es gibt nicht so viele Pilgerherberge als auf dem Camino Francès, aber jeder kriegt abends einen Platz ! Noch helfen die Einheimischen den Pilgern gerne : es gibt noch nicht soviel davon und es sind in der Regel mehr Spanier.

Die gleiche Kilometer-Anzahl wird auch von den Spaniern gepilgert, das Ziel ist aber nicht eine so grosse Sache („ich mache 2 Wochen auf dem Camino und höre auf… Nächstes Jahr fange ich wieder an, wo ich dieses Jahr aufhöre…“) . Wichtig sind die sozialen Kontakte, die man auf dem Camino knüpft mit ettlichen Leuten aus allen Ländern und Kulturen. Abends in der Pilgerherberge wird zusammen gegessen, jeder stellt der Allgemeinheit was er für Proviante gekauft und getragen hat. Manchmal übernachtet man in einer Herberge, wo der Hospitalero für die Pilger kocht… und dann isst und trinkt man allen an einem grossen Tisch : da entstehen viele Kontakte…

Die Spanier nehmen es lockerer als die „Nord-Europäer“ mir dem Pilgern :

– sie stehen nicht so früh auf ;

– sie wissen in der Regel immer, wann die nächste Kneipe auf dem Weg kommt ;

– wenn es regnet, bleiben sie lieber in der Herberge bzw. Kneipe („es wird ja bald aufhören„) ;

– sie wissen wie hilreich Kaffee, Wein und Kräuterlikör (alles natürlich in der richtigen Dosierung) auf dem langen Weg sein können ;

– sie wissen, dass eine gewisse blaue Dünst für die Entspannung der Muskel und des Geistes Wunder wirken kann ;

Alles im allen scheinen mir die Spanier sehr gut zu wissen, wie man seine Kräfte einteilen und einsetzen soll.

Verstehen mich bitte nicht falsch : Die gleiche Anzahl von Kilometern wird zurückgelegt, die gleiche Bergen durch steilen Wege gesteigert… das Pilgern im Spanien ist eine sehr ernste Sache, mit einer jahrhundert- alten Tradition. Spanien ist sehr katholisch geprägt (wahrscheinlich wie kein anderes Land im Europa) und dieser Spanier, der den Camino von Kneipe zur Kneipe gepilgert ist, kniet und betet am Ziel vor den Reliquien des Apostels.

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