die, die aus Compostela zu Fuss nach Hause zurücklaufen…

In diesem sich noch weiter entwickelnden Artikel möchte ich über diese Menschen schreiben, die -auf dem Weg zu Fuss aus Compostela zurückkommend– mir entgegengekommen sind…

Ab und zu kommen mir Menschen entgegen auf dem Weg, dir auf Ihrem Rückweg von Santiago de Compostela sind… Diese haben ein besonderes Blick… Haben sie Ihren Graal in Compostela gefunden ? Sind sie auf das Geheimnis des Jakobsweges gekommen? Was hat denen der Weg gegeben ? Schliesst sich peu à peu der Veränderungsprozess, ab, oder bleibt er voll im Gänge ? es wird ja gesagt, dass die Veränderungen, die der Jakobsweg iniziert, erst nachdem man wieder zu Hause ist, bemerkt werden…

Hier stelle ich ein paar dieser Menschen vor, mit dem zuletzt getroffenen beginnend :

Gestern im Bilbao getroffen und Heute früh beim Frühstück verabschiedet :

Bob aus Amsterdam

der Einer geht nach Compostela-der Anderer kommt daher...

der Einer geht nach Compostela-der Anderer kommt daher...

Bob ist 23 jahren alt und seit März zu Fuss nach Santiago gepilgert. Er ist auf dem Camino del Norte auf dem Rückweg nach Hause und möchtet der Küste entlang -vielleicht sogar in der Bretagne mit Etappe in der Abtei am Mont-Saint-Michel – weiterlaufen. Er freut sich schon auf diese 2 Monaten durch Frankreich. Sein Lieblingswort, das er dauernd von den Franzosen gehört hat, ist : „pas de problème !“ Es sind 7 Monate Wanderung eingeplant worden. Bob ist fertig mit dem Studium und will sich diese Zeit vor dem Anfangen mit dem Berufsleben als Lehrer gönnen. Bob sieht sehr gut aus, ist sehr gross und schmall und trágt eine freie Bart. Seine Augen funken mit diesem besonderem Blick der Pilger, die im Compostela gerade waren… Die junge Französin, mit der ich gerade beim Frühtucken sitze, nennt ihn „Appollo„…

Vorgestern Abend in der Pilgerherberge traf ich Ciril, 30 Jahren, aus Paris. Eine gewisse Ausstrahlung hat er , sonst an ihn merke ich, dass er mager ist, fast nichts als Gepäck mit sich trägt, und sich Zeit für den Kontakt mit den anderen Pilgern nimmt… Auch für mich. Dass wir beide Franzosen sind, vereinfacht es und vertieft es auch die Kommunikation..

Ciril war vorgestern noch im Compostela und reist mit dem Bus in kleinen Etappen nach Paris zurück. In Bilbao will er in der Pilgerherberge noch ein Mal übernachten, wo er so besonders von der baskischen Hospitalera (Gastgeber), Allaine auf seinem pilgernden Hinweg empfangen worden ist…

Ciril ist gesund und glücklich -man sieht es sofort an ihn. Er hat mit seinem Jakobsweg eine Zeit seines Lebens abgeschlossen… Ab September hat er schon eine feste Einstellung : eine 2 jährige Ausbildung zum Uhrmacher in der Savoy steht schon fest : neue Bleibe, neues Job, neue Leuten…

Mir kommt der Gedanke: „dieser Mann schwebt“ , seine Füsse brauchen den Boden nicht mehr zu berühren ! Später denke ich ans Bild einer Muschel, die sich vom Strom hin und her treiben lässt… ohne Angst und ohne Wünsch… Aber ein weisst diese Muschel : „ab September werde ich für die nächsten Jahren auf einen starken Fersen am neuen Meeresboden klemmen…“

Tony aus dem Auvergne

Hoch in den baskischen Bergen haben wir uns auf dem Jakobsweg getroffen. Auf einer Wiese haben wir zusammen gefrühstückt und gesprochen…

Tony läuft mit kurzer Hose und Shirt ; Sonnencrem will er im Rucksack haben, aber er braucht diese nicht…

Tony ist gesund und glücklich. Er sieht gut aus und nimmt sich Zeit für sich und die andere…

Tony geht nicht mehr so gerne in den Pilgernherbergen übernachten, er schläft gerne allein, wo er sich gerade befindet. Stellen, wo er Wasser für die Körper-Verpflegung bekommt, sind oft auf den Weg zu finden. Gerade hat er sich an einer ausgebauten Picknick-Stelle rasiert. Ihm fehlt zur Zeit nur Tee und heisses Wasser… Auf der Bergwiese, aus Apfel, Birnen und Bergkäse frühstücken wir gemeinsam zusammen…

Tony ist seit Monaten unterwegs. Nach Compostela ist er auf dem Camino Frances hingelaufen ; er läuft den Küstenweg bis ins französischen Baskenland zurück, wo er mit dem Bus weiter nach Clermont-Ferrand reisen will. Dort will er sehen, wie er seine zukünftigen Existenz gestalten wird…

Der Jakobsweg ist für Tony eine Gelegenheit, Abschied von einem alten Lebensabschnitt zu nehmen. Was kommen wird steht noch nicht fest… Tony ist jahrzehntenlang ein Buddistischer Monch (Lama) in einer Kloster gewesen. Die Exerzitien macht er täglich weiter und richtet weiter sein Leben nach der Lehre Buddhas

André aus Charleroi (Belgien) glaubt an Gott und läuft den Jakobsweg nach Hause ohne Rucksack: nur einen kleinen 2-KG schweren Hänge-Sack trägt er im Höhe der Gurtel. Sandalen hat er an den Füssen, und mit denen läuft er seine 40 km pro Tag – ein Tag waren es sogar 60km! Erst dachte ich, seine Sachen hat er bestimmt irgendwo in der Nähe liegend (wir treffen uns auf dem Domplatz einer Kleistadt in Aquitaine), aber nein, sagt er : alles was er bei sich gerade trägt ist alles was er bestitzt…

André hat schon 3500 km zu Fuss zurückgelegt -immer in Sandalen (inzwischen das 8. Paar). Nach seinem Jakobsweg ist er runter nach Andalusien weitergelaufen und zurück. Gott gibt ihm eine ungeheuere Kraft und sorgt für ihn Tag für Tag seit 15 Monaten. Er folgt das Evangelium „lass hier alles liegen und folge mir…“ und wird vom Gott beschützt… (und verpflegt..?)

Gero aus Wuppertal traf ich in den Wald. Auf der kleinen Route Départementale kam er mir strahlend entgegend. Gero ist 20 Jahren jung und sieht sehr schön aus. Die Bart hat er sich einfach wachsen lassen , die blaue Augen und die weisse Zähne strahlen lebensfreude aus.

Gero läuft einfach zu Fuss nach Hause bis Wuppertal zurück. Er will im August dort sein. Eine Woche Urlaub im Korsika mit seinem Eltern steht noch an, bevor er im September in ein neuen Studiumfach in einem neuen Stadt anfängt. Sein alte wissenschaftliche Studium in einer Elite-Uni hatte er schon am Ende des ersten Semesters abgebrochen, nachdem er gesehen hat, dass er im falschem Fach studierte. Ich denke, dass Gero ziemlich gute Abi-Noten hatte… Den Jakobsweg ist für ihn eine Auszeit gewesen. Nach der langen Weg spricht er Französisch fliessend und sehr wahrscheinlich Spanisch auch… Im Herbst fängt er mit einem Deutsch– und Englisch-Studium

Etienne aus der West-Schweiz läuft den Jakobsweg mindestens zum 4ten oder 5ten mal. Gerade ab März mit seiner Frau von den Pyreneen aus auf dem Camino Frances hin und auf dem Camino del Norte zurück bis ins franz. Baskenland gelaufen, wo seine Frau mit der Nachtzug nach Genf nach Hause gefahren ist. Etienne nimmt sich ein bischen Zeit, etwas langsamer zurückzukommen -mit einer geplanten Etappe auf dem Weg in Bourges, wo seine Eltern leben… Etienne ist in den Vierzigern, ist Topfit, stammig und sehr muskulös. Er trägt locker eine 20 kg schweren ausführlichen Camper-Austattung auf seinem Rücken. Er hat eine 20 jährigen Fallschirmspringer-Carriere in einer Elite Französischen Armee-Einheit hinter sich. Er war in sehr vielen Kampfe eingesätzt: Tschad, Bosnien, Dschibuti… In dieser Zeit musste er 5 KG mehr tragen -und das Gewehr dazu! – und die Schnaken waren in Afrika viel bissiger… Etienne arbeitet sonst als Bergführer in den Alpen. Er gab mir besondere wertvollen Tips über das Wandern…

… über Michel, den Marathon-Mann aus Charleroi (Belgien) habe ich schon in diesen Seiten geschrieben (sehe). Er dürfte Heute zu Hause seit fast einer Woche zurückgekommen sein… Wie hält er es aus ohne tägliches Lauf-Ziel vor den Augen, ohne seinen täglichen Endorphin-Schub (diese Glückshormone der Dauersportler), wie verträgt er sich mit seiner Frau, seiner Umgebung, mit sich selbst ?

…was lerne ich von den Treffen mit diesen Leuten ?

1- der Weg ist machtbar, es gibt keine Schwerigkeit

2- wer nach Santiago de Compostela pilgert -und sogar zurückläuft- ist glücklich.

3- die Ausstattung (Kleider, Artzneimittel, Ernährung, Schlafsachen, Zelt, usw) ist zwar wichtig aber total irrelevant zum Wohlbefinden: einige Leuten schaffen es mit alles möglichen dabei, andere mit nichts, die meisten haben viel „Ballast“ während des Weges weggeworfen oder einfach nach Verbrauch nicht mehr nachgekauft… Das gleiche gilt mit dem Komfort am Etappe : in der Erinnerung des Pilger sind die schönste Etappen nicht diese Etappen mit dem besten Komfort. Das Wohlfühlen kommt aus was anderes, wo die Gastfreundlichkeit des Hospitaleros, die Kontakte mit den anderen Pilgern eine grössere Rolle spielt…

4- der Jakobsweg hält gesund : Mit minimalen bzw. nullen medizinischen Versorgung kommt jeder aus…

5- der Jakobsweg macht schön : vor allem durch Einklang von Geist, Seele und Körper… keiner der Pilger ist dick (mehr das Gegenteil!), die Muskel vom Beinen, Rücken und Armen lassen sich zeigen…

6- am Wichtigsten ist das Vertrauen : in sich selbst… in seiner Vorbereitung… in seiner Ausstattung… in der Richtigkheit der getroffenen Entscheidungen… in Gott und das Glück: das Schicksal meint es gut mit dem sich hingebenden Pilger.

7- die grösste Schwierigkeit des Weges ist das Zurückkommen in der „normalen“ Existenz. Die Menschen, die ein schon fest geplantes künftiges Lebensfeld haben (zurück zum altem Leben, oder neue Ufer und Anker-Pünkte schon im Sicht) scheinen mir, es einfacher zu haben. Aber keiner hat es einfach… Der Jakobsweg wirkt viel viel länger als die Pilgermonate

Einige Weblinks zum Weiterstöbern im Netz :

Eine Antwort

  1. ja, die Beiden auf den Fotos sehen klasse aus. Glück strahlen ihre Augen aus….ich beneide dich um die Begegnungen.
    Und Gero aus Wuppertal, welch Mut der junge Mann doch hat…ich ziehe meinen Hut…

    ♥ -lich Bonafilia

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